Überziehungszinsen

Als Überziehungszinsen werden jene Zinsen bezeichnet, die einem Kunden eines Kontos bei einer Bank zu Lasten gehen, wenn dieser Kunde im vorher vereinbarten Maß sein Konto überzieht. Der Begriff ist etwas ungenau und schwammig, denn eigentlich sind damit korrekterweise Sollzinsen gemeint. Der Rahmen in dem ein Bankkunde in diesen Überziehungsrahmen gehen kann, richtet sich nach den Einkünften, die der Kunde bezieht und entspricht für gewöhnlich zwei Nettomonatseinkünfte, um realistisch zu gewährleisten, dass der Kreditnehmer auch wieder von selbst aus dem Überziehungsrahmen herauskommen kann. Wird nun auch dieses geduldete Limit weiter überzogen, fallen zusätzliche Kosten an. Die eigentlichen Überziehungs- oder Sollzinsen sind im Vergleich mit normalen Ratenkrediten um ein vielfaches höher und bewegen sich oft über 10 %. Die eigentlichen Überziehungszinsen werden erst angewandt, wenn der Kunde den bereits erwähnten eingeräumten Überziehungsrahmen ausschöpft, dann zahlt dieser sowohl Sollzinsen als auch Überziehungszinsen.

Was Umgangssprachlich also häufig mit Überziehungszinsen gemeint ist, sind eigentlich die Sollzinsen, die allein fällig werden, wenn ein Bankkunde einen eingeräumten Kreditrahmen seines Girokontos überzieht. Beide Zinsen werden unterschiedlich berechnet, wobei die Sollzinsen generell höher liegen, als die Überziehungszinsen. Da jedoch die Überziehungszinsen für eine weitere Ausreizung des eingeräumten Kreditrahmens fällig werden, sind diese zu vermeiden, da die Sollzinsen mitunter, je nach Bank, im zweistelligen Bereich bis zu 14 % liegen können. Schnell hat man dann bei einer maximalen Ausreizung der Überziehung fast 20 % Zinsen, ein ziemliches Horrorszenario. Die eingeräumte und damit geduldete Überziehung entspricht daher im Rahmen in etwa 1-2 Nettomonatsgehälter, um zu gewährleisten, dass der Kontoinhaber auch binnen weniger Monate wieder den Überziehungskredit ausgeglichen hat und während der Tilgung „nur“ Sollzinsen und keine Überziehungszinsen zahlen muss. Banken geraten schon seit Jahren immer wieder in Kritik Soll- und Überziehungszinsen viel zu hoch anzusetzen und damit die Verschuldung vieler österreichischer Bürger voranzutreiben. Nutzern von Überziehungskrediten sei also geraten gar nicht erst den kompletten Rahmen der Überziehung auszuschöpfen, auch wenn das für den Moment einige Zahlungsengpässe lösen mag, steigert es nur zusätzlich die eigentliche Gesamtverschuldung bei der Bank. Banken kamen durch diese gefährliche Entwicklung der Sollzinsen noch nie so schnell zu Geld durch Verschuldung von Kontoinhabern gegenüber dem Kreditinstitut. Ist der Überziehungskredit nahezu ausgeschöpft, sollte neben Sparen auch die Option einer Umschuldung in Erwägung gezogen werden, um nicht zusätzlich noch Überziehungszinsen obendrauf zahlen zu müssen. Bei der Umschuldung wählt der Kontoinhaber einen günstigeren Kredit, als den Überziehungskredit, und gleicht durch dessen einmalige Ausschüttung den Überziehungskredit mit einem mal aus, wobei dieser dann nur die günstigeren Zinsen des Umschuldungskredit zahlen muss. In der Regel ist diese Variante wesentlich günstiger, als Monat für Monat teure Sollzinsen zahlen zu müssen.

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